Telekommunikation: Qualifikation
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Qualifizierungsmöglichkeiten in der betrieblichen Telekommunikation
Die betriebliche Telekommunikation ist ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmen: Sprach- und Datenkommunikation, mobile Lösungen, Netzwerk- und Cloud-Dienste bilden das Rückgrat nahezu aller Geschäftsprozesse. Die betriebliche Telekommunikation erfordert umfangreiches Fachwissen und praktische Fertigkeiten. In Deutschland bestehen hierzu vielfältige Qualifizierungspfade: Von dualen Ausbildungsberufen über Fortbildungen (IHK, Meister, Techniker) bis hin zu Herstellerspezifischen Zertifizierungen und akademischen Studiengängen.
Jede Qualifizierung bringt eigene Befähigungen und Berechtigungen mit sich. Die Aufwände – in Zeit und Geld – variieren stark, lohnen sich jedoch in der Regel langfristig für alle Beteiligten. Unternehmen profitieren von internem Expertenwissen und reduzierten Ausfallzeiten bzw. Kosten für Fremddienstleister. Mitarbeitende steigern ihre Arbeitsmarktchancen, haben bessere Verdienstmöglichkeiten und können komplexere, verantwortungsvollere Tätigkeiten übernehmen. Angesichts der hohen Dynamik und stetigen Innovationen sollte ein Unternehmen die langfristige Personalentwicklungsstrategie planen und auch die Mitarbeitenden dazu motivieren, ihr Wissen kontinuierlich zu erweitern. Nur so lassen sich moderne Telekommunikationslösungen effizient betreiben und an die rasch wechselnden Marktanforderungen anpassen.
Übergeordnete Strukturen und Rahmenbedingungen
In Deutschland existieren sowohl staatlich anerkannte Berufsausbildungen und Weiterbildungen als auch Herstellerspezifische Zertifizierungen. Der Großteil der Qualifizierungen ist dual organisiert (Ausbildungsbetrieb + Berufsschule) oder findet im Rahmen von IHK-Weiterbildungen statt. Hinzu kommen Zertifizierungen großer Anbieter (z. B. Cisco, Microsoft, Huawei, Avaya), die in Unternehmen sehr gefragt sind, weil sie Spezialwissen zu konkreten Produkten oder Technologien vermitteln.
Staatlich anerkannte Berufsausbildungen
Die duale Berufsausbildung bildet den Grundstein für viele Karrieren in der Telekommunikation. Typischerweise dauern diese Ausbildungen drei bis dreieinhalb Jahre.
IT-Systemelektroniker/in (IHK) - Inhalte und Befähigungen:
Installation und Konfiguration von Netzwerk- und TK-Anlagen (z. B. IP-Telefonie, Router, Switche)
Einrichtung und Wartung von Endgeräten, Leitungsnetzen und Funkverbindungen
Fehlersuche und Störungsbeseitigung in TK-Systemen
Grundlegende elektrotechnische Kenntnisse
Berechtigungen:
Als ausgebildete Fachkraft dürfen Absolventen an elektrischen/elektronischen Systemen arbeiten (Elektroniker-Status), sofern es die Betriebserlaubnis umfasst.
Mitunter Vorbereitung und Durchführung von Messungen und Abnahmen der TK-Anlagen gemäß VDE-/DIN-Normen.
Wert für Unternehmen und Mitarbeitende:
Unternehmen: Erhält eine Fachkraft, die auf den betrieblichen Bedarf zugeschnitten ist, praxisnah ausgebildet und langfristig in die betrieblichen Abläufe integriert werden kann.
Mitarbeitende: Eine solide, breitgefächerte Grundlage. Perspektiven auf Spezialisierung oder Weiterbildung (z. B. Meister, Fachwirt, Techniker, Herstellerzertifizierungen).
Aufwände:
Ausbildungsdauer: 3 Jahre (ggf. Verkürzung auf 2,5 Jahre möglich)
Kosten: Keine Ausbildungskosten für den Auszubildenden (betriebliche Vergütung, Berufsschulunterricht kostenlos), allerdings betrieblicher Aufwand für das Unternehmen (Ausbildungsvergütung, Ausbilder).
Fachinformatiker/in für Systemintegration (IHK) - Inhalte und Befähigungen:
Planung, Konfiguration und Administration von IT-Systemen und Netzwerken
Implementierung und Betreuung von Kommunikationslösungen (VoIP, UC-Systeme)
Schwerpunkt liegt häufiger auf Softwareseitigem und Netzwerkinfrastruktur als auf reiner Hardware-Elektronik
Berechtigungen:
Arbeiten im Bereich IT- und Netzwerkadministration
Bereitstellung und Verwaltung serverbasierter Lösungen für TK-Systeme
Aufwände:
Ausbildungsdauer: 3 Jahre (Verkürzung möglich)
Kosten: Entspricht dem dualen System (keine direkten Ausbildungskosten für die Lernenden, betriebliche Vergütung).
Wert für Unternehmen und Mitarbeitende:
Unternehmen: Speziell im Zeitalter der Konvergenz von IT und Telekommunikation sind Fachinformatiker/innen für Systemintegration gefragte Allrounder.
Mitarbeitende: Vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der gesamten IT-Landschaft, gute Karriereaussichten.
Fort- und Weiterbildungen
Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung besteht die Möglichkeit, sich über praxisnahe Weiterbildungen zu spezialisieren oder auf eine höhere Qualifikation hinzuarbeiten.
Weitere relevante Ausbildungsberufe
Elektroniker/in für Geräte und Systeme: Mehr Fokus auf elektronische Komponenten, Fertigung und Instandhaltung, teilweise relevant für Telekommunikationstechniken.
Informationselektroniker/in: Eher auf Endgeräte und Telekommunikationstechnik im Service- oder Reparaturbereich gerichtet.
Fort- und Weiterbildungen
Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung besteht die Möglichkeit, sich über praxisnahe Weiterbildungen zu spezialisieren oder auf eine höhere Qualifikation hinzuarbeiten.
Operative Professionals (IHK)
Die IHK bietet den sogenannten „Operative Professional“ als öffentlich-rechtliche Fortbildungsprüfung an.
Befähigungen und Berechtigungen:
Übernahme komplexer Projekt- und Führungsaufgaben in der IT, häufig im Bereich Planung, Implementierung und Betrieb von TK-Systemen und IT-Infrastrukturen.
Befähigung, anspruchsvolle IT-Projekte zu leiten, Geschäftsprozesse zu gestalten und zu optimieren.
Beispiele sind:
IT Business Manager (IHK)
IT Business Consultant (IHK)
IT Systems Manager (IHK)
IT Business Engineer (IHK)
Aufwände:
Dauer: Zwischen 9 und 24 Monaten (berufsbegleitend oder Vollzeitkurse).
Kosten: Lehrgangskosten variieren (ca. 3.000 bis 8.000 Euro). Prüfungskosten bei der IHK zusätzlich.
Wert für Unternehmen und Mitarbeitende:
Unternehmen: Erhalten hochqualifizierte Mitarbeitende mit fundierten Projektmanagement- und Technikkenntnissen, um TK- und IT-Projekte effizient umzusetzen.
Mitarbeitende: Aufstieg in Führungspositionen, bessere Gehaltsaussichten, Steigerung der Verantwortung und Kompetenzen.
Techniker/in und Meister/in
Staatlich geprüfte/r Techniker/in (Fachrichtung Elektrotechnik, Informationstechnik o. Ä.): Vertiefte Kenntnisse in Planung, Entwicklung und Wartung von TK-Systemen.
Industriemeister/in oder Handwerksmeister/in in Elektrotechnik (Schwerpunkt Informations- und Telekommunikationstechnik): Qualifikation für leitende Positionen in Handwerks- oder Industriebetrieben.
Berechtigungen:
Meistertitel ermöglicht die Ausbildung von Lehrlingen.
Techniker/in und Meister/in können verantwortliche Tätigkeiten übernehmen (Projektleitung, Abteilungsleitung).
Herstellerspezifische Zertifizierungen
Parallel zu den staatlich anerkannten Aus- und Weiterbildungen gibt es eine Fülle von Zertifizierungen seitens renommierter Hersteller.
Typische Beispiele: Cisco-Zertifizierungen
Cisco Certified Network Associate (CCNA): Grundlagen zu Routing & Switching, Netzwerkprotokollen, Grundzüge von VoIP.
Cisco Certified Network Professional (CCNP): Vertiefte Netzwerk- und Telekommunikationskenntnisse, Cisco-spezifische Lösungen.
Microsoft-Zertifizierungen
Microsoft 365 Certified: Teamwork Administrator, Teams Administrator – relevant für Unified-Communications-Lösungen.
Microsoft Certified: Azure Administrator/Architect – wichtig, wenn Cloud-basierte Kommunikationslösungen umgesetzt werden.
Weitere Anbieter
Avaya, Unify (ehem. Siemens), Alcatel, Huawei usw. bieten jeweils eigene Zertifizierungspfade, die sich auf ihre Hardware- und Softwareprodukte konzentrieren.
Befähigungen und Berechtigungen:
Zertifizierte Fachkräfte sind berechtigt, komplexe Systeme des jeweiligen Herstellers zu installieren, zu konfigurieren und zu warten.
Teilweise Voraussetzung, um als autorisierter Partnerbetrieb Support oder Garantieleistungen anbieten zu dürfen.
Akademische Bildung
Für Führungs- und Entwicklungspositionen spielt auch ein Hochschulstudium eine Rolle. Studiengänge wie Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Informatik, IT-Sicherheit oder Wirtschaftsinformatik vermitteln Grundlagen und Spezialwissen in Telekommunikation.
Weitere wichtige Aspekte und Empfehlungen
Verknüpfung von Theorie und Praxis: Ideal ist eine enge Abstimmung zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtung. Praxisprojekte sind essentiell, um das Erlernte konkret anzuwenden.
Lebenslanges Lernen: Telekommunikationstechnologien entwickeln sich rasant. Fortlaufende Weiterbildungen und Zertifizierungen sichern langfristig die Kompetenz.
Investitionsentscheidungen: Unternehmen sollten Kosten-Nutzen-Abwägungen treffen: Eine fundierte, teure Zertifizierung kann sich auszahlen, wenn intern Know-how aufgebaut wird und externe Dienstleister seltener nötig sind.
Marktanforderungen: Sich vorab informieren, welche Zertifizierungen in der jeweiligen Branche oder Region besonders gefragt sind (z. B. Cisco, Microsoft, AWS-Cloud-Themen).
Fördermöglichkeiten: Staatliche und EU-Förderprogramme (z. B. Aufstiegs-BAföG, Bildungsprämie) können Kosten reduzieren. Auch berufsbegleitende Studiengänge, Teilzeitausbildungen oder E-Learning sind zu berücksichtigen.
Rechtliche Rahmenbedingungen: Beim Installieren und Warten von TK-Anlagen gelten Vorschriften (VDE, DGUV etc.). Nur geschultes Personal mit entsprechender Befähigung (Elektrofachkraft oder unter Aufsicht) darf diese Arbeiten ausführen.